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Westdeutsche Zeitung, 26. November 2009
Zehn Jahre Theater FLIN - Hochkultur im Stadtteil Flingern

Gemischtwaren auf der Bühne
Das Theater Flin wurde vor zehn Jahren gegründet. Serviert wird Comedy und Hochkultur.

Oliver Priebe (li) und Philipp Kohlen-Priebe leiten das Theater Flin. (Foto: Arend)

Düsseldorf. Den Begriff Zuschauer hören die Theaterchefs Philipp Kohlen-Priebe und Oliver Priebe nur ungern. „Zuschauer sind für mich eine anonyme Menschenmasse. Wir empfangen jeden Abend Gäste, und das immer höchstpersönlich“, sagt Kohlen-Priebe. Im Stadtteil Flingern fühlt er sich verwurzelt. „Als wir uns 2003 für dieses Theater entschieden haben, war die Bodenständigkeit des Viertels ausschlaggebend.

Wir hatten ein Angebot aus dem Medienhafen. Aber in einem Schickimicki-Viertel wird man rasch hochgejubelt und auch rasch wieder fallengelassen“, glaubt Priebe. Als reines Stadtteiltheater wollen die Beiden ihr Haus trotzdem nicht verstanden wissen. Man sei eine Kleinkunstbühne, die inzwischen auch im Ruhrgebiet und sogar in den Niederlanden ihr Publikum habe.

Dabei bestand das Theater zu Beginn unter der Leitung von Rudolf Porsche nur aus einem Zimmer mit einer kleinen Bühne, die im heutigen Barbereich platziert war. „Das war uns zu wenig. Deshalb haben wir vergrößert, um professionell arbeiten zu können“, sagt Kohlen-Priebe.

In ihrem Theater sehen sie einen Lebenstraum verwirklicht. Seit der Schulzeit stehen sie auf der Bühne, kennen die Theaterlandschaft in Düsseldorf. Philipp Kohlen-Priebe ist einer der Mitbegründer des Theaterhauses, sein Partner stand im Theater an der Luegallee auf der Bühne. „Ich habe viel literarisches Theater gemacht und Oliver bei einem Stück über Klaus Mann kennengelernt. Damals suchte ich einen Hauptdarsteller – gefunden habe ich einen Partner fürs Leben“, sagt Kohlen-Priebe.

Theater ohne Sponsoren, dafür immer auf eigenes Risiko

Dass sie ihre eigenen Chefs sind, halten sie angesichts von Theaterschließungen wie in Wuppertal für einen großen Vorteil. „Bühnen, die es gewohnt sind, von Subventionen zu leben, tun sich sehr schwer, wenn diese wegfallen. Deshalb haben wir nie auf Sponsoren gesetzt“, sagt Priebe. Das bedeutet aber auch, dass man, wenn etwas schief geht, den eigenen Geldbeutel zücken muss und das so, dass es richtig wehtut.

Inhaltlich setzen sie auf die Nische „Gemischtwarenladen“ – mit Kabarett, Comedy, literarischem Theater, aber auch mit Musik und Zaubervarieté. Neben Gastkünstlern wie Ingo Oschmann oder Lioba Albus spielen eigene Stücke eine große Rolle an der Ackerstraße.

„Wir verfolgen dabei zwei Wege: Dem Publikum soll die Hemmschwelle vor dem großen Theaterstoff genommen werden“, sagt Priebe. Man lege aber auch Wert auf anspruchsvolle Geschichten wie bei „Bühne frei für Mutter Ey“. „Beides funktioniert und ist meist sofort ausverkauft“, freut sich Priebe.


von Stephan Eppinger

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