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PeterAckermann, Oktober 2011
Der Hitchcock – Krimi „DIE 39 STUFEN“ mit turbulenten und schrillen Comedy-Szenen wird zum Regie- und Schauspieler – Triumph am FLIN – Theater in Düsseldorf

Die Bühnenfassung von Patrick Barlow zu Hitchcocks „DIE 39 STUFEN“ wurde seit der Uraufführung 2006 in London zum vielfach ausgezeichneten, internationalen Erfolg. Der Spionage-Krimi wird durch die Vielzahl skurriler Typen auch zur Schmunzel-Komödie zwischen Comedy, Farce und spannender Unterhaltung.

Wechselnde spektakuläre Schauplätze, aufwendige Requisiten, Geräuschkulissen, Lichteffekte und unzählige Schauspielrollen sind für das FLIN-Theater die bisher größte Herausforderung seit der Gründung vor über einem Jahrzehnt! Regisseur Philipp Kohlen-Priebe gelingt mit dem erfahrenen FLIN-Ensemble eine rasante Inszenierung, die englischen Pointenwitz und Spannung im Minutentakt bietet. Dabei kann sich der Theaterchef auf seine Akteure verlassen, die er - bei hohem Tempo – typgerecht und gestengenau perfekt agieren lässt. Wie Kohlen aus jeder Rolle exakte Kurz-Portraits formt, macht den Schauspielern sichtbar Freude und der Abend wir zum Vergnügen!

Karin Halinde spielt gleich drei gänzlich unterschiedliche Frauen. Die brünette, selbstbewusste Annabella, die törichte infantile Hausfrau Margret und Pamela, die verführerische Blondine, die in keinem Hichtcock-Krimi fehlt. Diese Portraits gelingen Karin Halinde hinreißend und sind wohl ihre bisher ergiebigsten Rollen als Mittelpunkt im Männerensemble. Bravo!

Arnd vom Felde und Oliver Priebe haben seit zwei Jahrzehnten eine Fülle von Hauptrollen am FLIN und an anderen Theatern gespielt. Jetzt bietet die aktuelle Inszenierung Beiden die Gelegenheit, ihre Erfahrungen voll auszuspielen. Arnd vom Felde ist – ideal besetzt – der smarte Richard Hannay, der eher zufällig unter Mordverdacht und in die Fänge einer sinnlich raffinierten Blondine gerät, und er spielt diese Rollen zwischen charismatischem Verführer und panischer Verwirrtheit elegant und pointengenau – fabelhaft!

Oliver Priebe schlüpft in unzählige Rollen und verblüfft durch Wandlungsfähigkeit der Stimme und seiner Mimik, vor allem als verschmitz säuselndes Gedächtniswunder Mr. Memory und als eiskalter Nazi. Sein mathematischer Formel-Monolog in aberwitzigem Tempo wird für Priebe zum Triumph – Chapeau!

Der junge Daniel Marre´- erst seit vier Jahren im Ensemble – feierte schon Serienerfolge am FLIN und ist aktuell die dritte Säule der Männerriege. Er wirft sich mit Elan, Charme und unendlich viel Talent in die grotesken Verwandlungen der vielen Rollen und ist dabei ein kongenialer Partner für alle – bravo!
Am der Technik verbringt Renate Söhnigen – sonst 1.Schauspielerin am FLIN – wahre technische Wunder an Konzentration bei unzähligen Einsätzen an Toneinspielungen und Lichtwechseln.

Philipp Kohlen-Priebe gelingt – wie so oft in den Jahren zuvor – eine Inszenierung, die in Erinnerung bleiben wird, wie das Ensemble auch.

Peter Ackermann
Freier Kultur-Journalist (vormals Theater PUR) 25.10.2011

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